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Ambulante Pflegedienste

Ambulante Pflegedienste bieten fachliche Beratung und unterstützende Hilfe für Menschen, die trotz der Notwendigkeit von Pflege und Betreuung zu Hause wohnen bleiben möchten. Im Wesentlichen werden unterstützende Leistungen in folgenden drei Bereichen angeboten:

  • Grundpflege: In diesen Bereich fallen Dienstleistungen wie die Körperpflege, die Ernährung oder die Mobilisation
  • Medizinische Behandlungspflege: Dies beinhaltet vom Arzt verordnete Pflegemaßnahmen aufgrund einer vorhandenen Erkrankung
  • Unterstützung im hauswirtschaftlichen Bereich: Hierunter fallen Dienstleistungen wie das Einkaufen, das Kochen, das Reinigen der Wohnung oder auch das Wechseln und Waschen der Kleidung.

Träger der ambulanten Pflegedienste sind zumeist die Verbände der freien Wohlfahrtspflege oder aber die vor Ort befindlichen Sozialstationen, die von den Kirchen oder Gemeinden getragen werden. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von privaten Pflegediensten unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichem Leistungsangebot. Da die Qualität der angebotenen Leistungen über alle Anbieter hinweg unterschiedlich ist, ist bei der Auswahl des geeigneten Pflegedienstes besondere Sorgfalt geboten. Eine erste Anlaufstelle für Informationen rund um das Thema der ambulanten Pflege sind die regionalen Pflegestützpunkte. Diese Einrichtungen informieren und beraten unabhängig von einzelnen Trägern und kooperieren mit anderen vor Ort befindlichen Beratungsstellen und Leistungsanbietern.

 

Auswahlkriterien ambulanter Pflegedienste

Folgende Auswahlkriterien sollten bei der Auswahl des geeigneten Pflegedienstes berücksichtigt werden:

  • Versorgungs- und Vergütungsvertrag: Nur wenn der Pflegedienst mit der Pflegekasse einen Versorgungs- und Vergütungsvertrag für alle Pflegestufen geschlossen hat, kann er die von ihm erbrachten Leistungen mit der Pflegekasse abrechnen.
  • Zahl der Mitarbeiter: Nur wenn in ausreichender Zahl qualifizierte Mitarbeiter angestellt sind, ist der Pflegedienst dazu in der Lage, die von ihm angebotenen Dienstleistungen ordnungsgemäß zu erbringen. Ist hingegen im Verhältnis zur Betriebsgröße eine nur eine sehr geringe Anzahl von Beschäftigten vorhanden, kann sich dies negativ auf die Leistungsqualität auswirken.
  • Leistungsspektrum: Um eine Leistungserbringung „aus einem Guss“ zu gewährleisten, sollte sichergestellt sein, dass der auszuwählende Anbieter alle notwendigen Dienstleistungen in den verschiedenen Bereichen abdeckt.
  • Flexibilität: Damit der eigene Tagesablauf nicht mehr als unbedingt nötig umgestellt werden muss, sollte der Pflegedienst individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingehen können. Hierzu zählen beispielsweise die Aufsteh- und Zu-Bett-geh-Zeiten. Auch sollten bei akutem Bedarf zusätzliche Pflegekräfte (auch kurzfristig sowie nachts und am Wochenende) bereitgestellt werden können, beispielsweise wenn sich der eigene Gesundheitszustand verschlechtert hat.
  • Pflegekonzept: Ein vorhandenes, innerbetriebliches Pflegekonzept deutet auf ein in sich stimmiges Angebot hin, dass gleichfalls permanent überprüft wird und sich somit positiv auf die Qualität auswirkt.
  • Kooperation: Eine gute Vernetzung des Pflegedienstes mit anderen Anbietern und Einrichtungen vor Ort erweitert das Angebot an zusätzlichen Hilfen, Informationen und Dienstleistungen, die bei Bedarf auf einfache, schnelle und unkomplizierte Art und Weise in Anspruch genommen werden können. Beispiele sind Kooperationen mit Tagesstätten, niedergelassenen Ärzten, teilstationären Einrichtungen oder auch sozialen Diensten.
  • Individuelle Betreuung: Pflegerische Maßnahmen sind vor allen Dingen dann wirksam, wenn sie auf die Bedürfnisse des Einzelnen Rücksicht nehmen. Daher ist sowohl auf einen individuellen Pflegeplan Wert zu legen, als auch auf genügend Möglichkeiten für persönliche Gespräche.
  • Standort: Um auch in Notfallsituationen schnell vor Ort sein zu können, sollte sich der Pflegedienst nicht allzu weit von der eigenen Wohnung entfernt befinden.
  • Vertrauensverhältnis: Um ein Vertrauensverhältnis zu den Pflegekräften aufbauen zu können, sollten die Mitarbeiterfluktuation sowie der Kreis der einen Pflegebedürftigen betreuenden Personen möglichst gering sein. Auch sollte stets ein fester Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
  • Dokumentation: Nur eine ausführliche und nachvollziehbare Dokumentation der erbrachten Dienstleistungen ermöglicht eine Kontrolle der monatlichen Abrechnung. Ebenfalls ist eine derartige Leistungsdokumentation für eine etwaige Einweisung in ein Krankenhaus notwendig oder für einen reibungslosen Wechsel des Anbieters. Eine derartige Dokumentation ist gesetzlich vorgeschrieben.
  • Kostenkalkulation: Im Zuge der Kostenkalkulation sollte eindeutig dargelegt werden, welche Leistungen selber bezahlt werden müssen und welche von der Pflegekasse übernommen werden. Zur Prüfung der Kalkulation bietet sich der Gang zu einer neutralen Pflegeberatung an. Informationen hierzu gibt es bei den Verbraucherzentralen.

 

Das Wichtigste im Überblick finden Sie auch in unserer Checkliste "Auswahlkriterien Ambulante Pflegedienste".

 

Pflegevertrag ambulante Pflegedienste

Der Pflegevertrag, der zwischen dem Pflegedienst und dem Pflegebedürftigen geschlossen wird, beinhaltet den vereinbarten Leistungsumfang sowie die Zeiten und Kosten der Pflegeeinsätze. Der Leistungsumfang ist in sogenannte Leistungspakete oder Leistungskomplexe unterteilt. Jedes Paket beinhaltet ein Bündel von Pflegemaßnahmen bzw. -tätigkeiten, wie sie beispielsweise für das morgendliche Aufstehen und Anziehen notwendig sind. Die Inhalte dieser Pakete sowie deren Preis können sich über die Bundesländer hinweg unterscheiden, da sie auf Länderebene zwischen den Pflegekassen und Pflegediensten vereinbart werden. Die Pflegekassen vor Ort informieren über die jeweils gültigen Leistungsumfänge und Preise.

 

Bei Vertragsschluss ist darauf zu achten, dass die in Anspruch genommenen Leistungen, die nicht von der Pflegekasse übernommen sondern privat bezahlt werden müssen, eindeutig gekennzeichnet sind. Beispiele für derartige Dienstleistungen sind zusätzliche Besuchsdienste oder allgemein Leistungen, die über diejenigen hinausgehen, die dem Pflegebedürftigen gemäß seiner Pflegestufe zustehen.

 

Auf folgende Punkte ist im Zusammenhang der Vertragsgestaltung weiterhin zu achten:

  • Keine Vorauszahlungen: Seriöse Pflegedienste rechnen stets nur die im vorangegangenen Monat erbrachten Leistungen ab. Die Forderung nach einer Vorauszahlung bzw. Vorfinanzierung ist daher abzulehnen.
  • Zwei Wochen Kündigungsfrist: Seitens des Gesetzgebers ist eine Kündigungsfrist von zwei Wochen vorgeschrieben. Längere Kündigungsfristen seitens des Pflegedienstes brauchen daher nicht akzeptiert zu werden.
  • Kein Haftungsausschluss: Sofern Pflegekräfte oder Mitarbeiter des Pflegedienstes Schäden verursachen, hat der Pflegedienst hierfür zu haften bzw. sich mittels einer entsprechenden Versicherung hiergegen abzusichern. Eine Haftungsbeschränkung oder gar ein Haftungsausschluss zu Lasten des Pflegebedürftigen sind daher nicht zu akzeptieren.
  • Keine unklaren Vertragsklauseln: Der Vertrag darf keine unbestimmten Leistungsbestandteile aufführen, die zu nicht kalkulierbaren Mehrkosten führen können. Eine Formulierung wie beispielsweise „Weitere Pflegeleistungen, die im Bedarfsfall erforderlich sind“ ist daher abzulehnen.
  • Keine rückwirkenden Preiserhöhungen: Eine Erhöhung der Preise muss seitens des Pflegedienstes vier Wochen im Voraus schriftlich kommuniziert werden. Hieran ist stets die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung durch den Pflegebedürftigen geknüpft. Eine nachträgliche Erhöhung der Preise ist unzulässig.
  • Keine Leistungsberechnung bei ruhendem Pflegeverhältnis: Im Rahmen des Vertrages ist eindeutig festzulegen, dass bei einer Unterbrechung der Pflege, beispielsweise durch einen notwendigen Klinikaufenthalt, keine Leistungsberechnung anfällt. Ebenfalls ist festzuhalten, dass der Vertrag unmittelbar mit dem Tod des Pflegebedürftigen endet und nicht bis zum Ende des Sterbemonats weiterbesteht.

 

Das Wichtigste im Überblick finden Sie auch in unserer Checkliste "Ambulante Pflegedienste - Unzulässige Vertragsbestandteile"

 

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