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Unseriöse Kaffeefahrten

Bei Verkaufsfahrten, sogenannten „Kaffeefahrten“, bietet der Veranstalter eine kostengünstige Bustour für eine Gruppe von Seniorinnen und Senioren zu einem bekannten und beliebten Ausflugsziel an. Während der Fahrt dorthin werden der Reisegruppe dann verschiedene Produkte vorgeführt, die zu einem angeblich günstigen Preis und nur während der Busfahrt erworben werden können. Ebenfalls werden häufig gesundheitsfördernde Effekte der Produkte vorgegaukelt, oder aber vor Gesundheitsgefahren durch den Nicht-Gebrauch der Produkte gewarnt. Um zusätzlichen Verkaufsdruck aufzubauen, können darüber hinaus sogenannte „Eisbrecher“ zum Einsatz kommen. Dies sind Vertraute des Reiseanbieters, die sich jedoch nicht als solche zu erkennen geben sondern als Teilnehmer der Reisegruppe auftreten. Sie kaufen häufig als Erste die angebotenen Produkte und ermuntern danach die Mitreisenden, es ihnen gleich zu tun. Auch sind Fälle bekannt, in denen die Rückfahrt des Busses an das Erreichen bestimmter Umsatzziele geknüpft wurde. Oftmals wird in diesem Zusammenhang argumentiert, dass der Veranstalter mit dem niedrigen Preis der Bustour in Vorleistung getreten ist und sich die Reisenden hierfür durch den Kauf der Produkte bedanken sollten.

Das grundlegende Ziel dieser Maßnahmen besteht immer darin, die Reisenden zum Kauf der angepriesenen Produkte zu drängen, auch wenn sie diese überhaupt nicht benötigen. Aufgrund des Überrumpelungsfaktors sowie der nicht vorhandenen Gelegenheit, die verlangten Preise mit denen von Konkurrenzprodukten zu vergleichen, zielen die Reiseveranstalter hierbei immer auf einen überhöhten Verkaufspreis ab um auf diese Weise ihren Gewinn zu maximieren. Ebenfalls sind die verkauften Produkte oftmals von minderwertiger Qualität und teilweise sogar gefährlich bzw. gesundheitsschädigend.

Wie auch bei Haustürgeschäften und Geschäften, die am Telefon zustande kommen, können Kaufverträge, die auf Kaffeefahrten geschlossen werden, innerhalb einer Frist von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen widerrufen werden. Hierzu ist lediglich ein formloses Schreiben an den Veranstalter, am besten als Einschreiben mit Rückschein verschickt, notwendig.

 

Das Wichtigste im Überblick: Kaffeefahrten

  • Angebot einer preisgünstigen Bustour zu einem beliebten Ausflugsziel
  • Verkaufsveranstaltung während der Busfahrt
  • Vorgaukeln eines besonders günstiges Angebotes, das nur während der Busfahrt gilt
  • Produkte tatsächlich jedoch überteuert und von minderwertiger Qualität
  • Aufbau einer extremen Drucksituation, die zum Kauf der angebotenen Produkte führen soll
  • Unter Umständen Einsatz sogenannter Eisbrecher: Als Teilnehmer getarnte Vertraute des Veranstalters, die als Erste die Produkte kaufen und danach Mitreisende zum Kauf animieren
  • Gesetzgeber räumt ein 14-tägiges Widerrufs- und Rückgaberecht (ohne Angabe von Gründen) ein

 

Das Wichtigste im Überblick: Wie Sie sich schützen können

  • Möglichkeit, gemäß §§ 312 und 355 BGB innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen von dem Vertrag zurück zu treten
  • Falsche Versprechen gelten gemäß des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) als strafbare Werbung
  • Verkauf angeblicher „Wundermittel“ verstößt gegen das Heilmittelgesetz

 

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